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Reichsausschuß jüdischer Sportverbände

Jüdischer Sport in Deutschland bis 1938

Situation bis 1933

Sportlich aktive Juden waren vor 1933 überwiegend in Vereinen organisiert, die den weltanschaulich „neutralen” oder „paritätischen” Turn- und Sportverbänden angehörten. Verbände, die die Mitgliedschaft verweigerten, waren die Ausnahme. Allerdings waren in einigen Verbänden (Deutscher Ruder-Verband, Deutsche Turnerschaft) antisemitische Tendenzen vorhanden. Sport bedeutete gesellschaftliche Integration. Nur die Zionisten bildeten eine relativ geschlossene Gruppe, die sich im Deutschen Kreis des Makkabi-Weltverbands organisiert hatte.

Situation ab 1933

Die Sportverbände schlossen jüdische Mitglieder nach und nach aus. Besonders vorauseilend taten sich hervor:

Im Dezember 1933 wurde allen Sportverbänden anheimgestellt, Juden auszuschließen. Sie durften keinesfalls leitende Funktionen mehr innehaben.



Reichsausschuß jüdischer Sportverbände

Am 21.09.1934 wurde die auf Anordnung des Reichsportführers erfolgte Bildung einer Arbeitsgemeinschaft Reichsausschuß jüdischer Sportverbände aus dem Deutschen Kreis des Makkabi-Weltverbandes und dem Sportbund des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten bekannt gegeben. Der Reichsausschuß war für die Reichsportführung die „alleinige Vertretung des jüdischen Sports in Deutschland”.
Die Bildung des Reichsauschußes erfolgte nur auf äußeren Druck hin und konnte die bestehenden politischen Gegensätze zwischen dem zionistischen Makkabi, der eine Auswanderung befürwortete, und dem sich für ein Verbleiben in Deutschland einsetzenden Reichsbund nicht überbrücken. Seine praktische Wirkung blieb gering.
Rein aus Zweckmäßigkeit (und ohne Einwirkung des Reichsausschußes) wurden in einigen Gegenden (z.B. in Berlin-Brandenburg) neben den Verbands- auch gemeinsame Spielrunden im Fuß- und Handball ausgetragen. In anderen Landesteilen gab es so was nie (Westdeutschland), oder wurden sie wieder aufgelöst (siehe auch ITUS Südwest). Erst für die nicht mehr beendete Spielserie 1938/39 wurden wegen der durch die Auswanderung geschwundenen Mitgliederzahlen generell gemeinsame Spielrunden, aber weiterhin getrennte Meisterschaften vereinbart.
Noch am 03.11.1938 (!) veröffentlichte die „C.V.-Zeitung” die Anweisung an den Reichsausschuß zur Neuordnung des jüdischen Sports bis zum Jahresende. Diese Neuordnung sah vor, alle jüdischen Vereine ungeachtet ihrer bisherigen Verbandszugehörigkeit dem Reichsausschuß direkt zu unterstellen.
Anfang 1939 wurde das Vermögen der Sportverbände auf die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland übertragen und später beschlagnahmt.
Die Mitgliedszahl stieg von 250 Vereinen mit 35.000 Mitgliedern (Ende 1934) auf 40.000 Mitglieder (1936).
Geschäftsführer waren Paul Lewinson (Makkabi) und Walter Beck (RjF). Am 21.07.1938 meldete die „C.V.-Zeitung”, dass nach der Auswanderung von Beck und anderweitiger Inanspruchnahme von Lewinsohn jetzt Dr. Max Scheinmann (Makkabi) und Robert Fischbein (Schild) die Geschäfte übernommen haben.



Jüdische Sportverbände 1933 - 1938

Deutscher Kreis des Makkabi-Weltverbandes

Siehe hier

ITUS - Verband jüdischer Turn- und Sportvereine Bayerns

Wegen behördlicher Bestimmungen war in Bayern die Tätigkeit von Makkabi und Schild untersagt. Die mit Erlass 1935 genehmigte vorolympische Duldung von Makkabi und Schild in Bayern wurde am 20.10.1936 durch die Bayerische Politische Polizei wieder aufgehoben. Allerdings ordnete am 23.03.1938 die Gestapo an, dass die Betätigung des RjF nicht behindert werden darf.
Auch nach der Gründung des Reichsausschußes jüdischer Sportverbände blieb der ITUS bestehen. Erst 1937 unterstellte er sich dem Reichsausschuß, ohne seine relative Selbständigkeit als Arbeitsgemeinschaft aufzugeben.
Bayerische Vereine konnten sich entscheiden, an welchen Meisterschaftskämpfen (Makkabi oder Schild) sie teilnehmen wollten.
Darüber hinaus gab es auch noch eigene bayerische Meisterschaften, u.a.: Leichtathletik (26.08.1934 München, 07.07.1935 München, 30.08.1936 Fürth, 04.07.1937 München) und 1937 erstmals im Fuß- und Handball (Männer und Frauen).

ITUS Südwest - Verband jüdischer Turn- und Sportvereine Südwestdeutschlands

1934 als rein sportlicher Zweckverband zur Durchführung des Sportverkehrs von 37 Vereinen durch Makkabi und Schild gegründet, geriet er 1936 in die Auseinandersetzung zwischen Makkabi und Schild. Obwohl der Makkabi ab Juli 1936 die Arbeitsgemeinschaft als aufgelöst betrachtete, stimmte er am 21.02.1937 einer Fortsetzung des ITUS Südwest als Spielausschuß zu. Ende 1937 umfasste er 16 Vereine mit 4.000 Mitgliedern.

Sportbund „Schild” des Reichsverbandes jüdischer Frontkämpfer (RjF)

Siehe hier

VINTUS - Verband jüdisch-neutraler Turn- und Sportvereine

Diese 1925 in Essen gegründete Splittergruppe mit 18 Vereinen nur in Westdeutschland schloss sich in der Mehrzahl im Oktober 1933 dem Deutschen Kreis des Makkabi-Weltverbandes an. Vorher waren Einigungsversuche seitens des Makkabi immer abgelehnt worden. Obwohl viele der VINTUS-Mitglieder sich als Zionisten verstanden, waren sie doch Befürworter eines „Sports ohne Politik” und wandten sich gegen den national-jüdischen Charakter des Makkabi.



Letzte Änderung: 04.02.2019